Prag 2008 – Ein Reisetagebuch von Sandra Noll und Sabrina Götz

[ i]Aus Anlass der Pflichtlektüre „Franz Kafka. Der Proceß“ für das schriftliche Abitur im Fach Deutsch machten wir, der Deutschkurs 13A, in Begleitung von Herrn Espelage und seiner Frau Kalliopi Karra, in den Herbstferien eine viertägige Studienfahrt nach Prag. Hierzu unser Reisetagebuch.[ /i] [ b]Montag, 27.10.2008: [ /b] Wir starten am Montag um 9.30 Uhr am Hauptbahnhof in Bad Saulgau. Mit der Deutschen Bahn geht es anders als vorgesehen über Aulendorf, Ulm, Augsburg und Dresden nach Prag. Durch die üblichen Probleme der Deutschen Bahn haben wir schon auf der zweiten Strecke Verspätung, da in Augsburg der ICE ausgefallen ist. Dank der guten Kommunikation der Zugführer kommen wir zwar immer noch rechtzeitig zum Anschlusszug, jedoch werden wir durch Fehlauskünfte am Infopoint der Deutschen Bahn auch fehlgeleitet und müssen dadurch Verzögerungen hinnehmen. Für manche läuft schon während der Fahrt der Alkohol in wohldosierten Mengen. Mit dreistündiger Verspätung kommen wir um 22.00 Uhr bei unserer Unterkunft, den „Austria Suites“, an. Wir beziehen die Zimmer und suchen wir uns zum gemeinsamen Ausklang des Abends eine kleine Bar in der Nähe. Manche verabschieden sich früher, für andere geht der Abend noch lange und in verschiedenen Kneipen weiter. Doch schon in dieser ersten Bar, am ersten Tag dürfen wir ein Neppspiel dieser und anderer Touristenfallen kennen lernen. Zwei von uns bekommen beim Bezahlen Falschgeld zurück, was durch die Unvertrautheit mit dem fremden Geld erst am nächsten Tag beim Einkaufen auffällt. Tschechien ist zwar Mitglied der Europäischen Union, hat aber noch nicht den Euro eingeführt, so dass wir vor Ort mit den uns fremden tschechischen Kronen bezahlen müssen. [ b]Dienstag, 28.10.2008: [ /b] Frühstück gibt es täglich ab 7 Uhr auf den Zimmern. Die Brötchen werden mit dem allmorgendlichen Klingeln des Boten gebracht. Der Kühlschrank ist gefüllt, Wasserkocher, sowie Tee und Kaffee sind vorhanden. Gut gestärkt kommen wir danach zur Tagesbesprechung zusammen. Aufgrund des kalten und nassen Wetters kürzen wir das geplante Programm ab. Mit der Tram geht es Richtung Karlsbrücke, dann zu Fuß durch die Stadt bis zum Altstädter Ring und weiter zur Karlsbrücke, um den heiligen Nepomuk zu besichtigen. Aufgrund der Renovierungsarbeiten ist dieser jedoch verdeckt. Also machen wir uns weiter auf den Weg zum neuen Kafka-Museum. Eindrucksvoll können dort Gefühle und Spuren aus Kafkas Kindheit und späterer Laufbahn nachempfunden werden. In modernen Rauminstallationen wird dem Besucher ein Gefühl dafür vermittelt, dass die Topografie Prags in Kafkas Werken immer da ist, auch wenn sie nicht benannt wird. Mit Hunger im Bauch machen wir uns auf die Suche nach dem vorher schon ausgewählten Steakhouse, einigen uns dann aber auf eine nahe gelegene Pizzeria. Frisch gestärkt haben wir nach kurzer Tour durch die Stadt den Mittag zur freien Verfügung. Die Zeit wird auf den Zimmern, beim Bummeln durch die Stadt oder bei Shoppingtouren im großen Einkaufszentrum genossen. Abends ist dann der Theaterbesuch in einem der zahlreichen Schwarzlichttheater angesagt. Geboten wird eine Variation der Faust-Tragödie von Johann Wolfgang von Goethes mit modernen Show- und Lichteffekten bis hin zu amerikanischen Musicaleinlagen. Für viele von uns amüsant und interessant, für den Lehrer eher ein Drama und eine Tragödie im doppelten Wortsinn. Eine Gruppe diskutiert die Aufführung anschließend im weltberühmten Literatencafé Slavia an der Moldau, eine andere erkundete schon mal Karlovy Lázně, angeblich Mitteleuropas größte Diskothek unmittelbar bei der Karlsbrücke. Allerdings verbringen zwei von uns den Abend begleitet von einem größeren Polizeiaufgebot in der gestrigen Bar und auf der Polizeiwache, um die oben genannte Falschgeldaffäre aufklären zu helfen. Die Polizei nimmt den Fall sehr ernst. Die Aufklärung bzw. das Protokoll hat absoluten Vorrang und so verfallen einstweilen zwei Theaterkarten. Am Ende des Abends treffen wir uns alle in einem Zimmer wieder und lassen den Abend gemeinsam ausklingen. [ b]Mittwoch, 29.10.2008: [ /b] Mehr oder weniger ausgeschlafen geht es nach dem Frühstück zur allmorgendlichen Tagesbesprechung. Der heutige Stadtrundgang führt uns wieder zum Altstädterring. In diesem Umkreis befanden sich die Aufenthaltsorte Kafkas, so etwa im Kinsky Palais das Galanteriewarengeschäft seines Vaters. In diesem Geschäft ist heute eine Buchhandlung mit allen Büchern und Schriften Kafkas in verschiedenen Sprachen untergebracht. Im Hinterhof war das kaiserliche und königliche Staatsgymnasium mit deutscher Unterrichtssprache, das der junge Franz Kafka besucht. Hier lesen wir aus seinen Schriften Auszüge zum Thema Schule und Erziehung. In der benachbarten Teynkirche hören wir einen längeren Abschnitt aus dem Domkapitel des „Prozesses“. Beim Opppelthaus am Altstädter Ring, einem der vielen wechselnden elterlichen Wohnungen, biegen wir ab zu dem Denkmal, das dem weltberühmten Autor, der den herrschenden Kommunisten ein Gräuel war, in seiner Heimatstadt erst 1996 auf dem kleinen Platz zwischen der Prager Heiligen-Geist-Kirche und der Spanischen Synagoge errichtet worden war. Als einer der bedeutendsten Schriftsteller der modernen Literatur ist Kafka als Statue verewigt. Auf einem überdimensionierten leeren Mantel sitzt eine Figur. Wie die Figur ihrer Hülle entflieht, kann auch Kafka in seinen Werken seinem realen Leben entkommen und seine wahren Gefühle ausdrücken. Hier ist natürlich das obligate Gruppenfoto fällig. Gleich in der Nähe befindet sich das jüdische Viertel mit einem Friedhof. Da es an diesem Tag sehr kalt ist, ziehen wir unser Mittagessen vor und gehen in das von uns ausgewählte, nahe gelegene Lokal Kolkovna, wo deftige tschechische Knödelspeisen auf den Tisch kommen. Aufgewärmt geht es am jüdischen Friedhof vorbei, um schließlich zum „Goldenen Gässchen“ auf dem Hradschin zu gelangen. Wegen überhöhter Eintrittspreise entscheiden wir uns, dieses nicht zu besichtigen. Zu unserem Glück können wir aber das Haus mit der Nr. 22, in dem Kafka zahlreiche Werke verfasste, von außen besichtigen. Den restlichen Nachmittag haben wir zur freien Verfügung. In Kleingruppen wird die Stadt weiter erkundet. Viele landen im Palladium, einem schicken Einkaufsparadies, teilweise untergebracht in einem ehemaligen und ausgehöhlten venezianischen Palast. Unseren letzten Abend verbringen wir im „U Fleku“, einer bekannten Prager Brauereirestauration. Zur Begrüßung wird Bier und Schnaps aufgetischt und auch an Unterhaltung fehlt es nicht. Musikanten mit traditioneller böhmischer Musik bringen unsere Stimmung auf einen Höhepunkt. Allerdings werden wir auch hier wieder über den Tisch gezogen und müssen viel mehr bezahlen, als wir getrunken haben. Dem Diskobesuch in der größten Disko Mitteleuropas steht dies jedoch nicht im Wege und so tanzen wir uns gemeinsam durch die Nacht. [ b]Donnerstag, 30.10.2008: [ /b] Am letzten Tag fallen uns das Aufstehen und der Abschied schwer. So verbringen wir den Morgen noch im Bett oder mit letzten Einkäufen, während das Lehrerehepaar das Kampa-Museum mit Exponaten der modernen tschechischen Kunst besucht.. Gegen Mittag verlassen wir dann unsere Unterkunft in Richtung Bahnhof. Durch das gute Management der Deutschen Bahn werden wieder alle Verspätungen, die wir grundsätzlich wegen der Ausfälle der ICE-Züge haben, wieder gut gemacht. Pünktlich aber übermüdet kommen wir abends in Bad Saulgau an.

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