Verabschiedung ins Sabbatjahr


Sabbatjahr zum kommenden Schuljahr: Ulrike Hess


 

Liebe Frau Hess, nach 25 Jahren an der Helene-Weber-Schule verabschieden Sie sich in ein Sabbatjahr.

 


Was folgt anschließend?

Ich gehe jetzt erstmal ein Jahr auf Reisen – ich starte mit Afrika, möchte aber auch noch nach Asien und Südamerika. Mal sehen, was mir möglich sein wird – danach weiß ich noch nicht, aber mir fällt sicher was ein.

Was hat Sie (einstmals) angetrieben, Lehrerin zu werden?

Ich habe selber – vor 100 Jahren - eine sehr schlechte Ausbildung zur Altenpflegerin erlebt – 1985 und wollte das immer besser machen – für diesen so „hochwertigen“ Beruf braucht es vielfältige Kompetenzen – vor allem im Bereich Empathie und Seele – aber auch im Bereich Abgrenzung und Selbstfürsorge.

 

Für welche Themen brennen und brannten Sie im Unterricht?

Salutogenese – nicht die Krankheit/das Defizit der Patient*innen, steht im Vordergrund, sondern ihre Kompetenzen, ihr Potential, ihre bisherigen Bewältigungsstrategien.

Der einfühlsame Umgang mit dementiell erkrankten Patient*innen.

Die Kontaktaufnahme und Kommunikation mit Patient*innen, die nicht mehr verbal kommunizieren könnten – basale Stimulation.

Das Abschiednehmen – Sterben und Tod – und der sensible Umgang damit -  klar, das ist ja auch zu meinem zweiten Beruf geworden – Bestatterin.

 

Welche (heiteren) Anekdoten fallen Ihnen spontan zu Ihrem Lehrerinnendasein an der Helene-Weber-Schule ein?

Sehr eindrücklich waren für mich die Erlebnisse mit den Schüler*innen an unserem jährlichen Aufnahmetag –  wir nannten diesen Tag „Etwas Neues beginnt“ und die SuS sollten einen symbolischen Gegenstand aus ihrem bisherigen Leben mitbringen – und da war eine SuS, die aus Kasachstan kam und das Bild ihrer Großmutter mitgebracht hat – sie erzählte, dass sie ihrer Großmutter sterbend versprochen hat, eine Pflegeausbildung zu machen und sie sei sehr glücklich, dass heute nun der erste Tag ist, dass sie dieses Versprechen einlöst. Das war ein Moment, der für alle Anwesenden sehr berührend war.

 

Warum waren Sie gerne Lehrerin?

Spannend fand ich das breite Spektrum der SuS, junge, ältere, freche, reife,…… diese unterschiedlichen Lebensgeschichten, die Diversität, was die Nationalitäten anbelangt – überhaupt diese Buntheit habe ich immer sehr genossen und hat mich immer wieder neugierig gemacht und mich sehr belebt und bereichert.

 

Was waren Ihr prägendsten Erlebnisse an der Helene-Weber-Schule?

Die Projekttage, die wir mit den SuS gemacht haben – Kommunikationsseminar in den Bergen mit Wandereinlage, Sterbebegleitseminar im Kloster usw.

 

Ich hab´einzelne Kolleg*innen sehr genossen,– das Team der Altenpflege, Kruschtwichteln an Weihnachten das Gesicht einer Kollegin, als sie eine Trockenhaube ausgepackt hat  –  die Fassnachtsfeiern hier an der Schule – die Einlagen, die wir dafür entwickelt haben, z. B. mit Frau Restle und Frau Wild … – überhaupt war hier viel Raum für Kreativität

 

Gab es einen Höhepunkt in Ihrer Laufbahn? (wenn ja, möchten Sie über diesen berichten?)

Nein

 

Gab es einen Tiefpunkt in Ihrer Laufbahn? (wenn ja, möchten Sie über diesen berichten?)

nein

 

Inwiefern hat Sie das Schulleben persönlich geprägt?

Absolute Herausforderung waren für mich die vordergründig „schwierigen“ SuS, mit ihnen immer wieder einen neuen Weg des Miteinanders zu suchen - da hab ich innerlich Grenzen überschritten und viel gelernt.

 

Wie stellen Sie sich die Helene-Weber-Schule in 10 oder 20 Jahren vor?

Meine Vision ist, dass sich der Bildungsbegriff noch mehr wegentwickeln wird von dem Bereich Wissensvermittlung und es mehr um Kompetenzen gehen wird, die uns alle  auf ein Leben in einer globalen Weltengemeinschaft vorbereiten und diese aktiv gestalten

 
 

Rubrik: Vervollständigen Sie die Sätze:

 

Wenn ich an Klassenfahrten denke, dann waren das richtige Highlights in meinem Schulleben.

 

Wenn ich an Klassenarbeiten denke, hm, die mochte ich nicht gerne entwerfen, nicht gerne beaufsichtigen und wirklich gehasst habe ich das Korrigieren.

 

Wenn ich an Kolleg*innen denke, bin ich sehr dankbar für diese wunderbaren Menschen, die ich da über die Jahre hinweg erleben durfte, richtig coole Socken.

 

Wenn ich an meine Fächer denke, hatte ich immer – echt immer – Lust und auch Spaß, mich mit den Themen zu beschäftigen, Neues zu recherchieren und an die SuS weiterzugeben.

 

Wenn ich an unsere Schule denke, dann bin ich beeindruckt, dass ich hier einen Ort erleben durfte, der so offen und lebendig, sich immer wieder den Herausforderungen der Zeit und des Alltags gestellt hat – ich habe wunderbare Schulleiterinnen erlebt – Frau Graf, Frau Croisier, Ingrid Müller, Rita Füssinger als Fachbereichsleiterin, davor Frau Schlaffke, mmmmmmmmmmmhhhh, ich hab mich immer gesehen und sehr wertgeschätzt gefühlt – wer kann das schon sagen, nach 25 Jahren?

 

… und nicht nur dem Anfang – auch jedem Abschied wohnt ein Zauber inne.

 

Danke.

 

BAR

21.07.2021

 

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